Ritzen, schnippeln, schneiden…..

Ritzen, schnippeln, schneiden – es gibt viele Umschreibungen für „SVV“ oder auch „Selbstverletzendes Verhalten“.  Wie es in der Praxis aussieht, zeigt der Bericht einer Betroffenen:

„Der Kontakt mit der Umgebung bricht irgendwie ab. Es ist, als ob ich aus der Wirklichkeit herausrutschte. Der Zustand ist furchtbar. Ich habe Angst, ich könnte wahnsinnig werden. Ich schlage mich, bis die Haut ganz rot ist. Ich dusche so heiß, dass ich mich fast verbrenne. Aber ich spüre nichts. Dann kommt der starke Drang, mir wehzutun. Ich schneide mich und lasse das Blut ganz lange über die Haut laufen. Das rote, warme Blut gibt mir ein Gefühl von Entspannung und Geborgenheit. Dann fühle ich auch wieder den Schmerz. Erst dann habe ich wieder das Gefühl, ich bin wieder in mir drin.“

Selbstverletzendes Verhalten ist das Ausleben gegen sich selbst gerichteter Aggressionen ohne suizidale Absicht. Das Durchschnittsalter bei Beginn von SVV liegt bei 13,5 Jahren.  Die Ursachen sind vielfältig und reichen von traumatischen Erfahrungen über seelische Vernachlässigung und Persönlichkeitsstörungen bis hin zu Erlebnissen von Missbrauch oder Gewalt.

Jeder Schnitt im Rahmen von SVV ist ein Schrei nach Liebe und Ausdruck des Bedürfnisses nach  Anerkennung und Wahrnehmung.

Hilfe zur Selbsthilfe SVV bietet die Community http://www.rotetraenen.de  im Austausch von Betroffenen, ihren Angehörigen und Freunden.

Natürlich ist eine Online-Selbsthilfegruppe kein Therapie-Ersatz, kann aber eventuell den Weg in selbige erleichtern. Der entscheidende Schritt heraus aus Isolation und Verzweiflung ist nicht selten allein die Erkenntnis, mit dem vorhandenen Problem nicht allein zu sein.

Essstörungen – die heimliche Sucht

 

Über eine Million Menschen leiden in Deutschland an einer Form von Essstörungen. Für 93 % aller Frauen gehören die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Figur und damit in Verbindung stehende mehr oder weniger erfolgreiche Diäten zu den Erfahrungen ihres Alltags. Das gesellschaftlich geprägte Schönheitsideal weibliche Idealmaße betreffend ist oftmals grausam und nicht einfach aus der Welt zu schaffen. Und dies betrifft schon lange nicht mehr ausschließlich Frauen. Schlank zu sein scheint gleich bedeutend damit, auf der beruflichen und privaten Erfolgswelle zu schwimmen. Und doch wäre es eine falsche Sichtweise, allein das gesellschaftliche Schönheitsideal verantwortlich zu machen für das gehäufte Auftreten von Essstörungen in unserem gesellschaftlichen Miteinander.

Die Entwicklung einer Essstörung hat in der Regel nicht nur eine einzige Ursache, sondern begründet sich in einem komplexen System aus persönlichen, familiären, sozialen und biologischen Faktoren. Jede Essstörung hat ihre eigene Geschichte, egal ob es sich um Magersucht, Bulimie oder Esssucht handelt.  

Zweifel am eigenen Selbst, Gefühle von Minderwertigkeit und Versagen, Spannungen innerhalb der Familie, oft verbunden mit erheblichen Behinderungen in Prozessen der Abgrenzung und Ablösung, schulischer Leistungsdruck, Zukunftsängste: die Liste der möglichen Hintergründe für das Entstehen einer Essstörung ist lang und nie vollständig.  

Wann sprechen wir überhaupt von einer Essstörung? Woran können wir erkennen, ob jemand gefährdet ist, eine solche Störung zu entwickeln?

 Die Grenzen zwischen Normalität, auffälligem Essverhalten und dem Vollbild einer Essstörung sind fließend. Der Weg in eine Essstörung hinein führt in der Regel durch die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper hindurch, oftmals gefolgt von einer Reihe von Diäten. Jede Essstörung äußert sich in einem Geflecht von Symptomen, begründet in einem gestörten Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper. Dabei muss immer wieder betont werden, dass Symptome und Ursachen nicht verwechselt werden dürfen. Solange wir nur die Symptome bekämpfen und die Ursachen ignorieren, werden wir einer Erkrankten nicht helfen können.  

Essstörungen sind insbesondere unter Mädchen und Frauen weit verbreitet. Jede 3. Schülerin zwischen 12 und 20 Jahren leidet an der Frühform einer Essstörung. 

Bereits 30% aller Mädchen und Jungen unter 10 Jahren verfügen über Diäterfahrung; 56% der 14- bis 15-Jährigen sind unzufrieden mit dem eigenen Aussehen und Gewicht. Unter einer bulimischen Essstörung leiden schätzungsweise 3% aller Frauen, ca. 5% aller Mädchen und Frauen sind sogenannte „Over Eaters“. Diese Zahlen berücksichtigen nicht die Dunkelziffern und sind nur das Ergebnis einzelner, auf einen relativ kleinen Personenkreis bezogenen Studien. Die tatsächlichen Zahlen dürften wesentlich höher liegen.

Der Einstieg verläuft schleichend: plötzlich beginnt der Tag mit dem Blick auf die Waage. Sie wird zum wichtigsten Kommunikationspartner. Kalorienzählen und Diäten bestimmen den Alltag. Eine Mahlzeit ist nicht mehr die genussvolle Befriedigung eines menschlichen Grundbedürfnisses und das natürliche Gefühl für Sättigung geht verloren. Sowohl Tagesform als auch Stimmung und Laune sind gewichtsabhängig und das Gewicht ist fortan verantwortlich für den persönlichen Erfolg.  

Essstörungen sind körperliche Erkrankungen. Sie betreffen die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung. Die auslösenden Kriterien lassen sich nicht in einem einfachen Schema von Ursache und Wirkung zusammenfassen. Sowohl seelische Belastungen als auch psychosomatische oft entwicklungsbedingte Störungen und Traumata können sich dahinter verbergen. Betroffene zeichnen sich durch die zwanghafte Auseinandersetzung mit der Aufnahme oder Verweigerung von Nahrungsmitteln aus.  

Allen gemeinsam ist, dass es sich um unterschiedliche Formen abhängigen Verhaltens handelt, welches sich jedoch stets in einer Tabuzone schamhaften Verschweigens zu verstecken sucht. Niemand darf etwas erfahren. 

Eine Essstörung entwickelt sich nicht plötzlich und aus heiterem Himmel, (aus dem sowieso nicht), sondern schleichend. Stellt sie sich dann irgendwann als Realität gewordener Albtraum heraus, so ist sie kein Problem eines Individuums, sondern eines ganzen Systems. Die bis dahin scheinbar heile Welt der „Rama-Familie“ wird durch das Auftreten der Essstörung einer Tochter oder eines Sohnes in eine tiefe Krise gestürzt. Die Konsequenzen reichen von Ratlosigkeit über Wut bis hin zu schierer Verzweiflung.  

Essgestörte Menschen ziehen sich in der Regel aus jeglichem sozialen Leben in eine tiefe zwar selbstgewählte jedoch innerlich zutiefst verfluchte Isolation zurück und brechen den Kontakt zu Familie und Freundeskreis soweit wie möglich ab. Für die Familie bedeutet dies in der Regel einen tiefen Bruch durch die Grundstruktur. Gemeinsame Aktivitäten, von gemeinsamen Mahlzeiten ganz zu schweigen, werden unmöglich. Die essgestörte Tochter, der essgestörte Sohn zieht sich in eine Art Inselwelt zurück, die von Außenstehenden kaum erreicht werden kann.  

Die Geschichte des sexuellen Traumas in der frühkindlichen Alkoholikerfamilie trifft nicht annähernd die Realität. Nur zu oft entwickeln gerade die Heranwachsenden eine Essstörung, deren Familie nach außen gut bürgerlich behütend wirkt und nach allen Regeln einer deutschen Durchschnittsfamilie lebt.  

Wir unterscheiden verschiedene Formen von Essstörungen: die Magersucht, die Bulimie (auch bekannt als Ess-Brechsucht) und die anfallsweise Esssucht, die sowohl unter den Bezeichnungen „Overeating-Störung“ als auch „Binge Eating Disorder“ bekannt ist.

Gemeinsam ist allen Formen einer Essstörung ein Hunger der Seele, der nicht gestillt werden kann. Hunger nach Leben, nach Liebe, Hunger nach Freiheit und Selbstbestimmung, Hunger danach, so angenommen zu werden, wie man ist: mit allen Fehlern und Schwächen. Ein sehr menschlicher Hunger also.
Wer von einer Essstörung geheilt werden möchte, muss bereit sein, über den Gedanken an Essen und Nicht-Essen hinaus zu gehen und den wahren Hunger zu suchen, der sich hinter Fressattacken oder der krankhaften Sucht, immer weiter abzumagern, verbirgt.

Nur ein Zitat….

„In Wirklichkeit trägt das Kind den Schlüssel zu seinem rätselhaften individuellen Dasein von allem Anfang in sich. Es verfügt über einen inneren Bauplan der Seele und über vorbestimmte Richtlinien für seine Entwicklung. Das alles aber ist zunächst äußerst zart und empfindlich, und ein unzeitgemäßes Eingreifen des Erwachsenen mit seinem Willen und seinen übertriebenen Vorstellungen von der eigenen Machtvollkommenheit kann jenen Bauplan zerstören oder seine Verwirklichung in falsche Bahnen lenken.“

Maria Montessori

Weblog zum Thema „Mobbing in der Schule“

Mobbing gehört mittlerweile zum Schulalltag, ist für viele Schülerinnen und Schüler zu einer leidvollen Erfahrung geworden, der sie nicht ausweichen können. Sind sie erst einmal in der Spirale von Demütigung und Schweigen gefangen, sehen sie in der Regel keinen Ausweg und reagieren mit Krankheit oder Depression. Mobbingopfer fühlen sich allein und finden oft nicht den Mut, sich jemandem anzuvertrauen. Nicht selten suchen sie die Schuld für ihre verfahrene Situation bei sich selbst.

Das Weblog „Gegen Mobbing in der Schule – für einen gewaltfreien Schulalltag“  bietet Infos und Hilfe zu diesem brisantenThema und lässt auch das heiße Eisen „Mobbing durch Lehrkräfte“ nicht aus.

http://gmids.wordpress.com/

Meine persönliche Frage zu diesem Thema: wurde in meiner eigenen Schulzeit eigentlich auch systematisch gemobbt?