Gegen das Vergessen: Bertha Pappenheim …

… würde heute 152 Jahre alt.
Die Frauenrechtlerin und Pionierin der Sozialarbeit ging mit ihrem realen Namen in die Geschichte der Frauenbewegung ein und als “Fall Anna O.” in die Geschichte der Psychoanalyse als Entdeckerin der “talking cure” und der “kathartischen Methode”.
Bertha Pappenheim, die bis in ihr 29. Lebensjahr hinein krank war, erhielt aus dem Kreis der mütterlichen Verwandtschaft zahlreiche Anregungen für ein karitatives Engagement in der jüdischen Gemeinde. Ihr Interesse an Frauenfragen und an der Arbeit der deutschen Frauenbewegung wuchsen stetig. Sie begann, sich für die Sache der Frauen, insbesondere der jüdischen Frauen, einzusetzen.

Im Jahr 1895 übernahm sie die Leitung eines jüdischen Waisenhauses. 1902 gründete sie die „Weibliche Fürsorge“ in Frankfurt. Im Jahr 1904 rief sie den reichsweiten ‚Jüdischen Frauenbund‘ ins Leben, als dessen Vorsitzende und Delegierte sie an zahlreichen internationalen Frauenkongressen teilnahm.

Im Jahr 1907 gründete Bertha Pappenheim in Neu-Isenburg bei Frankfurt ein Heim für gefährdete Mädchen und nichteheliche Mütter. Einen Großteil ihres Vermögens spendete sie Projekten der Sozialarbeit. Seit 1917 war sie führende Mitarbeiterin der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Seit der Jahrhundertwende betrieb Bertha Pappenheim unermüdliche Aufklärungskampagnen über die Lage der Juden in Galizien und setzte sich gegen Prostitution und Mädchenhandel ein.
Das Lebenswerk der Bertha Pappenheim ist von weitreichender Bedeutung für die Entwicklung der sozialen Arbeit in Deutschland.  Wie viele Mitstreiterinnen ihrer Generation brach Bertha Pappenheim mit der Tradition der „Wohlfahrtsdamen“ und setzte in der Sozial- und Frauenarbeit wegweisende Akzente.

Fast 20 Jahre lang, bis zu ihrem Tod, leitete Pappenheim das Mädchenheim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hoffte Pappenheim zunächst noch auf eine baldige Beendigung der Nazi-Herrschaft. Als sie erkennen musste, dass diese nicht eintreten würde, brachte die 75-Jährige selbst einige ihrer Schützlinge nach England und Schottland in Sicherheit.  Bald darauf erkrankte Bertha Pappenheim schwer. Dennoch wurde sie, obwohl schon bettlägrig, im Jahr 1936 wegen der angeblichen regimekritischen Äußerung einer Heimbewohnerin von der Gestapo vorgeladen.

Bertha Pappenheim konnte den Verdacht zerstreuen, erholte sich aber nicht  von diesem Verhör. Sie starb am 28. Mai 1936 in Neu-Isenburg.

In der Reichspogromnacht am 09. / 10. November 1938 wurden zwei der vier Gebäude des Mädchenheims niedergebrannt. Im Jahr 1942 lösten die Nationalsozialisten das Heim auf. Die vier dort tätigen Sozialarbeiterinnen und 15 Bewohnerinnen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.     

„Wenn wir den Lebenslauf dieser Frauen kennen, ihre Jugend, ihre Psyche, dann werden wir verstehen, was sie so weit brachte, Prostituierte zu werden. Dann werden wir in vielen Fällen zugeben müssen, dass von einer Freiwilligkeit im Sinne eines freien Entschlusses nicht die Rede sein kann.“ (Bertha Pappenheim)

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Das feministische Institut Hamburg…..

….. versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, Theorie und Politik und möchte dazu beitragen, feministische Perspektiven auf aktuelle Themen (wieder) stärker in öffentliche Diskussionen hineinzutragen.

Das Institut arbeitet zu politisch aktuellen Themen sowie zu aktuellen Ergebnissen der Frauen- und Geschlechterforschung, insbesondere in den Themenschwerpunkten Arbeit, Bildung, Feministische Theorien, Migration, Ökonomie, Soziale Bewegungen, Sozialpolitik und Technologie.

Grundlage der Arbeit des Instituts ist die Erkenntnis, dass Geschlecht keine natürliche Grundlage hat, sondern eine normative und damit gesellschaftlich immer wieder neu gesetzte Differenzierung in Männer und Frauen darstellt. Geschlecht wird durch soziale Praktiken hergestellt.

Die Mitarbeiterinnen des Instituts wollen feministische Erkenntnisse nutzen, um politische Phänomene besser zu verstehen, die mit Ungleichheiten, Machtverhältnissen, fehlender Anerkennung oder geringer gesellschaftlicher Teilhabe bestimmter Gruppen von Menschen einhergehen. Sie möchten prüfen, inwieweit Geschlecht als Analysekategorie neue Perspektiven auf gesellschaftliche Probleme und Themen eröffnet. Ein Anliegen ist es, feministische Debatten über die Hochschulen hinaus in breite Öffentlichkeiten zu tragen, dort zur Diskussion zu stellen und damit in politische Praxen einzugreifen.

Feministisches Institut Hamburg

Mädchenmannschaft

Da habe ich doch soeben ein feministisches Weblog entdeckt …..

Mädchenmannschaft

Auf „Mädchenmannschaft“ findet ihr Lesenwertes zum Thema Feminismus und Internet, zum Beispiel ‚Frauenfragen‘, ‚Gendertrouble‘ und ‚Körperkult‘.

Schulsozialarbeit

Seit über 10 Jahren arbeite ist als Schulsozialpädagogin. Oder als Schulsozialarbeiterin? Im sozialpädagogischen Dienst einer Schule? Egal wie wir das Kind benennen: Schulsozialarbeit, wenn sie denn richtig interpretiert und gelebt und nicht als Lückenbüßerin für zahlreiche schulische Aufgaben wie z. B. die Organisation des schulischen Ganztags oder das Bespielen chronischer Unterrichtsstörer missbraucht wird, nimmt einen zentralen und richtungsweisenden Stellenwert in allen Bereichen schulischer Prävention ein.

Oberste Priorität hat (und sollte immer haben, egal wohin die Reise geht) die Beratung von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften. Krisen- und Konfliktmanagement, Soziales Lernen im Rahmen sozialer Gruppenarbeit, Sucht- und Gewaltprävention, Mitwirkung in schulischen Gremien – all dies sind weitere Schlagworte unseres Einsatzbereiches.

Der Landesrechnungshof des Landes Schleswig-Holstein gab im Jahr 2010 eine Empfehlung heraus, alle Schulen des Landes mit Schulsozialarbeit auszustatten.  Der Personalschlüssel sah eine Versorgung von jeweils 500 Schülerinnen und Schülern mit einer Vollzeitstelle vor. Von diesem Luxus sind wir natürlich Lichtjahre entfernt, aber Zukunftsmusik ist auch Musik.

Tatsache ist: Schule wird den gestiegenen Anforderungen durch veränderte gesellschaftliche Entwicklungen und Bedingungen mit dem vorhandenen Personalkontingent chronisch überforderter Lehrkräfte auf Dauer nicht gerecht werden können. Ohne multiprofessionell ausgerichtete Konzepte und den Einsatz außerschulischer Experten dürfte die Verwirklichung des Bildes der „Schule als Lern- und Lebensraum“ noch lange auf sich warten lassen. Die Schulsozialarbeit dürfte in diesem Zusammenhang eine zentrale Schlüsselfunktion einnehmen.

Wer sich intensiver über Grundlagen und Konzepte von Schulsozialarbeit informieren möchte, dem empfehle ich den  Internetauftritt des Landesprogramms Schulsozialarbeit in Sachsen-Anhalt:

Schulsozialarbeit

Cyber-Mobbing bei Schülerinnen und Schülern

Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld führt derzeit eine empirische Online-Befragung zum Thema „Cyber-Mobbing bei Schülerinnen und Schülern“ durch. Im Rahmen der Umfrage haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, eigene Erfahrungen sowohl als Opfer als auch als Zeugen oder Verursacher von Cyber-Mobbing zu schildern.

Wer sich an der Befragung beteiligen möchte, kann dies hier tun:

http://www.uni-bielefeld.de/cyberbullying/

LizzyNet

LizzyNet ist DIE Informations-, Kommunikations- und Lernplattform für Mädchen und junge Frauen ab 12 Jahren. Den Nutzerinnen der Website stehen Informationen, kommunikative Werkzeuge (E-Mail, Forum, Chat, Homepage-Baukasten etc.) und interaktive Lernangebote zur Verfügung. Diese können sich die Mädchen ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend selbstbestimmt und eigenständig in ihrem individuellen Lerntempo erschließen.

Kreativ sein, sich aktiv einbringen, mit anderen austauschen, sein Wissen erweitern und Neues ausprobieren – das ist die Devise von LizzyNet! Unterstützt werden sie dabei von erfahrenen Nutzerinnen – den LizzyScouts – und der LizzyNet-Redaktion. LizzyNet ist kostenfrei und wird medienpädagogisch und redaktionell betreut.

Mädchen fit machen für den Umgang mit dem Internet bedeutet auch durch klare Regeln und Tipps Verhaltensweisen für die sichere Internetnutzung zu erlernen. In der Community wird außerdem darauf geachtet, dass die Mädchen tatsächlich unter sich sind: Die Anmeldung auf LizzyNet ist ausschließlich den Mädchen vorbehalten!

http://www.lizzynet.de

Frau Präsident hat schöne Beine ….

„Über die (Nicht-)Darstellung von Frauen in den Medien – einige Gedankensplitter“ ist der Titel eines Leitartikels der Soziologin Angelika Paseka aus dem Jahr 2005. Sie geht der Frage nach, ob Frauen in den Medien schlichtweg vergessen werden und beschreibt die alltägliche Realität: die Konstruktion klischeehafter Rollenbilder, die auch vor der Berichterstattung im politischen Spektrum nicht endet.  

Ich fühle mich gleich an die Zeit der Amtsübernahme von Angela Merkel erinnert, als man hätte glauben können, Politik sei eine Frage der richtigen Frisur. Oder denken wir an Maggie Thatcher, die „Eiserne Lady“. Niemand käme auf die Idee, David Cameron als „Eisernen Lord“ zu titulieren,  nur weil er konsequent regiert.

In der Republik Serbien gab es erstmals vom 30. September 2002 bis 13. November 2003 eine Präsidentin,  Nataša Mićić, eine  37-jährige Juristin, vorher Parlamentspräsidentin. In der Zeitschrift DER STANDARD gab es dazu am 30. Dezember 2002 zwei Artikel, einen in der Rubrik International. Darin sehen wir kein Gesichtsportrait der Präsidentin, sondern lange Beine unter kurzem Rock und Pumps. Wo ist die Präsidentin? Die Frage steht unweigerlich im Raum. Und kann sie mit diesen Schuhen überhaupt regieren? Lange jedenfalls nicht, wie ihre kurze Amtszeit beweist.

„Eine solche Darstellung dient nur noch dazu, zum einen Geschlecht auf der Grundlage der freiwilligen Unterwerfung des weiblichen Geschlechts unter das männliche als hierarchisches System zu konstruieren und zu legitimieren und zum anderen die soziale Konsequenz dieser Einengung durch die Verlagerung in einen rein sexuellen Kontext gleichzeitig wirksam zu verschleiern.“
 Wer Lust auf den Gesamtartikel bekommen hat, kann ihn hier nachlesen:http://www.phwien.ac.at/fileadmin/phvie/users/oeh/pdf/WissenschaftlichesArbeiten/51_Paseka_Darstellung.pdf