Lila Latzhose adieu – brauchen wir einen neuen Feminismus?

Irgendwo auf dem Speicher ruht sich meine lila Latzhose von ihren harten Einsätzen im Kampf für Emanzipation und Gleichberechtigung aus. Gleich daneben haben es 30 Exemplare von „Wir Frauen“ geschafft, nicht im Altpapiercontainer zu verenden.
Was wohl aus all meinen Mitstreiterinnen von damals geworden ist, frage ich mich manchmal?
Ob sie sich noch daran erinnern, wie es war, als wir den ersten Frauenbuchladen Kölns gefeiert und als Zeichen unseres Kampfs gegen das Patriarchat unsere BHs verbrannt haben?
Waren wir in all unseren Bemühungen so erfolgreich, dass die Gesellschaft uns nicht mehr braucht?
Das Wahlrecht für Frauen gab es schon vor uns. Laut Gender-Datenreport des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend aus 11 / 2005 gehen 59 % der deutschen Frauen zwischen 15 und 64 Jahren einer Erwerbstätigkeit nach. Arbeiten gehen dürfen wir also auch, ganz zu schweigen von allen Durchbrüchen der sexuellen Revolution…..
Und doch bleibt irgendwo ein schaler Nachgeschmack gepaart mit einem diffusen Gefühl, noch ein paar Rechnungen offen zu haben. War da nicht noch die Sache mit der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Qualifikation? Oder das Problem des sexistischen Frauenbilds in Öffentlichkeit und Medien? Wie hoch war noch mal der Anteil alleinerziehender Mütter unter den Hartz-IV-Empfängerinnen und Empfängern, weil es ihren Ex-Gatten erfolgreich gelungen ist, sich nach Südeuropa abzusetzen oder ihr Kapital auf die neue Lebensgefährtin zu übertragen?

Brauchen wir einen neuen Feminismus?
Dieser Frage gehen die Autorinnen Anita Blasberg, Heike Faller, Christiane Grefe u.a. in einem Artikel der „Zeit“ in 15 Zeitzeuginnen-Interviews nach. Sie sprachen mit einer Schauspielerin, einer Moderatorin, einer Biologin, einer Politikerin und vielen anderen Frauen, die sich tagtäglich mitten im gesellschaftlichen Leben behaupten.

Meine alte lila Latzhose passt mir nicht mehr. Und „Wir Frauen“ gibt’s mittlerweile auch als Online-Ausgabe – das spart Papier und schont die Umwelt. Aber irgendwo auf diesem Planeten müssen sich noch ein paar feministische Dinosaurierinnen in ihre Höhlen verkrochen haben. . . Wollen wir nicht einfach noch einmal die Tarnkappen aufsetzen und losziehen?

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