Zitat

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.
Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“

(Zitat von Primo Levi im Eingang des Holocaust Mahnmals in Berlin)

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Ermutigen, Beraten, Fördern: die Amadeu Antonio Stiftung

Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Zu diesem Zwecke unterstützt sie lokale Initiativen und Projekte in den Bereichen Jugend und Schule, Opferschutz und Opferhilfe, alternative Jugendkultur und Kommunale Netzwerke.

Ziel der Amadeu Antonio Stiftung ist unter anderem, zahlreiche Menschen auf die Gefahren des Rechtsextremismus aufmerksam machen und Aufklärung schaffen.

Ein weiteres wichtiges Anliegen der Stiftung ist die langfristige Thematisierung der Problematik „Rechtsextremismus“. Dies geschieht auf unterschiedlichste Art und Weise: mit Konzerten, Diskussionen und Seminaren zum Thema Rechtsextremismus oder mit Kontakten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.

Die Stiftung ermutigt und unterstützt alle, die sich aktiv und engagiert für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzen.

Totgeschlagen – Totgeschwiegen: homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus

Da bezeichnete doch neulich ein junger Mann, der gerne Lehrer werden möchte und selbiges studiert, eine Kneipe unseres schnuckeligen Ortes als „schwul“. Der junge Mann muss in einer entscheidenden Phase seiner gymnasialen Grundbildung irgendwann einmal in einem für ihn wahrscheinlich unendlich nervtötend öden Augenblick seines Schüler-Daseins für ein kurzes Weilchen eingeschlafen sein. Ihm widme ich diesen Post….

Lange Zeit waren sie die vergessenen Opfer des Nationalsozialismus: Schwule und Lesben. Rehabilitiert sind sie bis heute nicht. In Köln erinnert das Rosa-Winkel-Mahnmal an die homosexuellen Opfer des Nazi-Regimes. Seit 1995 befindet es sich gleich am Fuße der Hohenzollernbrücke.

Obwohl es im Nationalsozialismus keine direkte Verfolgung lesbischer Frauen gab, werden diese auf dem Kölner Mahnmal ausdrücklich erwähnt, da sowohl die Lebensumstände lesbischer Frauen als auch die ihnen zur Verfügung stehende Infrastruktur deutlichen Einschränkungen durch das NS Regime unterworfen war.

Die Situation homosexueller Männer in Konzentrationslagern war grausam und entwürdigend – so wie die Lage aller KZ Häftlinge. Die Sterblichkeitsrate schwuler Männer in KZs, die dort mit einem rosafarbenen auf die Kleidung aufgenähten Dreieck gekennzeichnet wurden, lag bei ungefähr 60%. Darüber hinaus wurden sie in der Regel Opfer medizinischer Experimente und sexueller Umerziehungsversuche.

Einen wirklich guten Artikel zum Thema findet man hier:

Vergessene Opfer des Nationalsozialismus
Die Internetseite zum Mahnmal gegen das Vergessen schwuler und lesbischer Opfer des Nationalsozialismus findet ihr hier:

Rosa-Winkel-Mahnmal

Gegen das Vergessen: Bertha Pappenheim …

… würde heute 152 Jahre alt.
Die Frauenrechtlerin und Pionierin der Sozialarbeit ging mit ihrem realen Namen in die Geschichte der Frauenbewegung ein und als “Fall Anna O.” in die Geschichte der Psychoanalyse als Entdeckerin der “talking cure” und der “kathartischen Methode”.
Bertha Pappenheim, die bis in ihr 29. Lebensjahr hinein krank war, erhielt aus dem Kreis der mütterlichen Verwandtschaft zahlreiche Anregungen für ein karitatives Engagement in der jüdischen Gemeinde. Ihr Interesse an Frauenfragen und an der Arbeit der deutschen Frauenbewegung wuchsen stetig. Sie begann, sich für die Sache der Frauen, insbesondere der jüdischen Frauen, einzusetzen.

Im Jahr 1895 übernahm sie die Leitung eines jüdischen Waisenhauses. 1902 gründete sie die „Weibliche Fürsorge“ in Frankfurt. Im Jahr 1904 rief sie den reichsweiten ‚Jüdischen Frauenbund‘ ins Leben, als dessen Vorsitzende und Delegierte sie an zahlreichen internationalen Frauenkongressen teilnahm.

Im Jahr 1907 gründete Bertha Pappenheim in Neu-Isenburg bei Frankfurt ein Heim für gefährdete Mädchen und nichteheliche Mütter. Einen Großteil ihres Vermögens spendete sie Projekten der Sozialarbeit. Seit 1917 war sie führende Mitarbeiterin der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Seit der Jahrhundertwende betrieb Bertha Pappenheim unermüdliche Aufklärungskampagnen über die Lage der Juden in Galizien und setzte sich gegen Prostitution und Mädchenhandel ein.
Das Lebenswerk der Bertha Pappenheim ist von weitreichender Bedeutung für die Entwicklung der sozialen Arbeit in Deutschland.  Wie viele Mitstreiterinnen ihrer Generation brach Bertha Pappenheim mit der Tradition der „Wohlfahrtsdamen“ und setzte in der Sozial- und Frauenarbeit wegweisende Akzente.

Fast 20 Jahre lang, bis zu ihrem Tod, leitete Pappenheim das Mädchenheim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hoffte Pappenheim zunächst noch auf eine baldige Beendigung der Nazi-Herrschaft. Als sie erkennen musste, dass diese nicht eintreten würde, brachte die 75-Jährige selbst einige ihrer Schützlinge nach England und Schottland in Sicherheit.  Bald darauf erkrankte Bertha Pappenheim schwer. Dennoch wurde sie, obwohl schon bettlägrig, im Jahr 1936 wegen der angeblichen regimekritischen Äußerung einer Heimbewohnerin von der Gestapo vorgeladen.

Bertha Pappenheim konnte den Verdacht zerstreuen, erholte sich aber nicht  von diesem Verhör. Sie starb am 28. Mai 1936 in Neu-Isenburg.

In der Reichspogromnacht am 09. / 10. November 1938 wurden zwei der vier Gebäude des Mädchenheims niedergebrannt. Im Jahr 1942 lösten die Nationalsozialisten das Heim auf. Die vier dort tätigen Sozialarbeiterinnen und 15 Bewohnerinnen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.     

„Wenn wir den Lebenslauf dieser Frauen kennen, ihre Jugend, ihre Psyche, dann werden wir verstehen, was sie so weit brachte, Prostituierte zu werden. Dann werden wir in vielen Fällen zugeben müssen, dass von einer Freiwilligkeit im Sinne eines freien Entschlusses nicht die Rede sein kann.“ (Bertha Pappenheim)